Zwischen Stutenmilchbad und Segeltörn

Strandhotel Heringsdorf  – Das imposante Haus im alten Kaiserbad setzt auf Wellnessangebote und eine mediterrane Küche.                                                                      Von Bernd Schiller / Hamburger Abendblatt

Restaurant

Restaurant

Mit einem sechseckigen Pavillon, genannt „die Kaffeemühle“, hat es um 1880 an der feinen Strandpromenade in Heringsdorf angefangen. „Die Verabfolgung von Conditoreiwaren, Kaffee, Tee, Wein . . .“, wie es in der Hauschronik heißt, muss sich so erfolgreich entwickelt haben, dass der Besitzer, ein gewisser Schubert, schon 1886 das imposante „Strandhotel“ im Stil der Gründerjahre neben sein Café setzen konnte.
Die Eigentümer wechselten zwar vor und nach dem 1. Weltkrieg häufig, aber der gute Ruf des noblen Grandhotels blieb: Komponist Engelbert Humperdinck verkehrte in dem „schönen, stillen Haus am Meer“, wie es 1908 annonciert wurde, und auch der Lyriker Theodor Däubler fand 1916 hier die notwendige Ruhe zum Dichten bei „Vollpension für 5 Mark“. Und Heinrich Mann genoss 1924 den Usedomer Sommer in demselben Haus.

Aussenansicht Hotel Heringsdorf

Aussenansicht Hotel Heringsdorf

Armee-Sanatorium im 2. Weltkrieg, Gewerkschaftsheim zu DDR-Zeiten, die verspielt-klassizistische Fassade zum lieblos-rohen Putz geglättet – das typische Schicksal der einst feinen Häuser in dieser Region blieb auch dieser Herberge nicht erspart.
Als 1991 der Düsseldorfer Banker Werner Molik, ein gebürtiger Thüringer, zum ersten Mal nach Heringsdorf kam, verliebte er sich sofort in die besondere Atmosphäre des alten Kaiserbads. Er brachte genügend Fantasie und Mut mit, kaufte das Haus und gab ihm sein altes Gesicht und die Noblesse zurück.
Die 72 Zimmer des Hauses sind klassisch eingerichtet – es gibt sogar welche, von denen man aus der Badewanne aufs Meer blickt. Foto: PR
Heute gehört das „Strandhotel“ wieder zu den renommierten Häusern, für die Usedom so berühmt ist. 72 Zimmer, zumeist klassisch eingerichtet, verteilen sich auf das Haupthaus und zwei Anbauten. Aus den De-Luxe-Räumen der Zimmer 411 und 412 im vierten Stock schauen die Gäste sogar von der Badewanne aus auf die Ostsee.
Alle Gebäude sind durch einen sogenannten Bademantel-Gang miteinander verbunden. Er führt auch zum Wellness-Bereich mit Fitnessraum und einem kleinen Pool. Zudem sollen verschiedenste Massage- und Schönheits-Angebote die Sinne ansprechen. Die Möglichkeiten reichen von Bädern in Stutenmilch über Sanddornpackungen bis hin zum traditionellen Fango.
Im Restaurant sorgt gelegentlich ein Pianist für Stimmungsmusik, auf der Weinkarte stehen vor allem erlesene deutsche Tropfen. Foto: PR
Küchenchef Heiko Hückstedt tischt leichte, mediterrane Kost auf. Die Weinkarte ist gerade renoviert worden, mit Hilfe von Gunnar Tietz, einem prominenten Sommelier aus Berlin. Er kennt das „Strandhotel“ als Stammgast. Jetzt spielen deutsche Gewächse eine noch größere Rolle im Angebot, nicht zuletzt auch aus den ostdeutschen Regionen Sachsen und Saale-Unstrut. Das Restaurant ist auf vornehme und zugleich heitere Weise eingerichtet, in ruhigen Farben und mit angenehmen Abständen zwischen den Tischen. Zu diesem Ambiente passen die gelegentliche Pianobegleitung am Abend sowie die nachmittäglichen Konzerte junger Künstler.

Das imposante Haus im alten Kaiserbad setzt auf Wellnessangebote und eine mediterrane Küche.
Eine hauseigene „Morgenpost“ stimmt die Gäste zum ausgesprochen üppigen und zugleich gesunden Frühstück mit Wetterbericht, Ausflugstipps und Informationen über die Insel auf den Tag ein. Jeden Morgen gibt es neue Anregungen: Schminkkurse, gemeinsame Kochstunden, Kremserfahrten oder Segeltörns mit dem Schoner „Weiße Düne“.
Hotelinhaber Werner Molik hat Visionen und feste Pläne. So soll im November ein Anbau um 16 Zimmer erweitert werden. Im Herbst 2009 steht dann nicht nur die Einweihung 14 weiterer Gästeräume an, sondern auch der Ausbau des Spa-Bereichs auf tausend Quadratmeter. Molik, promovierter Ökonom, will dann auch endlich seinen Traum verwirklicht sehen: ein großes Schwimmbad auf dem Dach des Haupthauses, eine Badegelegenheit, wie sie kein anderes Hotel auf Usedom zu bieten hat.
Über seinen spektakulären Plänen verliert der passionierte Jäger, der demnächst wieder Wild aus eigener Jagd in sein Haus liefern wird, aber auch die unspektakulären Kleinigkeiten nicht aus dem Auge.
Ein Vorbild ist ihm dabei der legendäre Berliner Hotelier Lorenz Adlon. Der wurde einmal von Kaiser Wilhelm gefragt, was denn wohl den Erfolg seines Hauses ausmache – doch sicher die Kristalllüster, die schweren Teppiche, die üppigen Banketts? „Nein Majestät“, antwortete ihm der Gastgeber der Kaiser und Könige, „das ist nur der Rahmen. Es sind viel mehr unsere Matratzen und unser Frühstück, die unsere Gäste zufrieden und glücklich machen . . .“

Quelle: Hamburger Abendblatt /02.08.2008 / Bernd Schiller
http://www.abendblatt.de/daten/2008/08/02/915345.html?s=1 

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